Neue Preise an den Ladesäulen von Ionity

Januar 25, 2020

Was hat es mit der Preisänderung bei Ionity Ladesäulen auf sich?

Vergangene Woche gingen zahlreiche Pressemeldungen à la „Laden jetzt teurer als tanken“ und „Preisexplosion an Ladesäulen“ durch die Medien. An dieser Stelle wollen wir das Thema objektiv aufrollen und die reale Situation an der Ladesäule schildern.

Wer steht hinter Ionity?

Bevor wir uns den neuen Preisen widmen ein paar Worte zum Unternehmen an sich. Ionity ist ein Joint Venture von BMW, Daimler und dem Volkswagen-Konzern mit Beteiligungen von Ford und Hyundai, das europaweit ein Netz aus Schnellladesäulen aufbaut und so Langstreckenfahrten mit einem Elektroauto ermöglicht. Die Parallelen zum Supercharger Netzwerk von Tesla sind hier deutlich zu erkennen. Im Gegensatz zu Superchargern, die nur von Tesla Fahrzeugen genutzt werden können, sind die Ladesäulen von Ionity für jeden Elektroauto-Fahrer zugänglich, solange das E-Auto über den CCS Ladeport verfügt. Bis auf wenige Ausnahmen trifft das inzwischen auf fast alle am Markt verfügbaren Elektroautos zu. Ionity setzt ausschließlich auf Ultra-schnelles Gleichstrom-Laden mit 350 kW. Diese hohe Leistung verkürzt bei Langstreckenfahrten die Ladepausen deutlich, deshalb finden sich diese Ladestationen auch fast ausschließlich an Autobahnen und Fernstraßen.

Die neue Preisstruktur

Ionity gab nun bekannt, dass das bisherige Preismodell zum 31.1.2020 endet und ab Februar eine neue Tarifstruktur gilt. Anstatt des bisherigen Fixpreises pro Ladung von 8 € wird in Zukunft Kilowattstunden-genau abgerechnet zu einem Preis von 79 Cent/kWh. Zum Vergleich, der durchschnittliche Strompreis für Haushalte in Deutschland beträgt etwa 29 Cent/kWh. Praktisch führt das bei einem Elektroauto, das 50 kWh Energie lädt, zu einer Preiserhöhung von bisher 8 € (effektiv 16 Cent/kWh) auf 39,5 € (effektiv 79 Cent/kWh), quasi eine Verfünffachung! Auffällig ist aber eben auch, dass Ionity in der alten Preisstruktur den Strom deutlich unter Marktwert abgegeben hat, ein Modell, das auf Dauer nicht tragbar ist, vor allem wenn man die zusätzlichen Kosten für die Errichtung der Ladeinfrastruktur bedenkt.

Gleicher Preis für alle?

Entscheidendes Detail ist hier: Der neue Ionity Tarif gilt für die direkte Zahlung an der Ladesäule oder über die Ionity App ohne eine Ladekarte. In der Praxis hat ein E-Auto Fahrer aber bis zu drei Bezahlmöglichkeiten.

1. Viele Autohersteller bieten eine eigene Ladekarte an

2. Drittanbieter wie die Telekom Get Charge, EnBW Mobility+, Shell Recharge (und viele mehr) bieten ebenfalls Ladekarten/Apps an

3. Die bereits genannte direkte Bezahlung an der Ladesäule/Ionity App

Mit einer Ladekarte von Mercedes (meCharge), Porsche (Porsche Charging Service) oder Audi (Audi Charging Service) bezahlt man beispielsweise nur zwischen 29 und 33 Cent/kWh an Ionity Säulen, wobei eventuell monatliche Gebühren für diese Tarife anfallen können und sie nur Fahrern der jeweiligen Marke zur Verfügung stehen. Der Hintergrund dieser Segmentierung ist einfach: Die im Joint Venture beteiligten Autohersteller wollen vermeiden, dass die von ihnen finanzierte Ladeinfrastruktur einem Konkurrenten, der sich nicht an Ionity beteiligt hat, einen Vorteil bietet.

Was verlangen andere Anbieter?

Auch die anderen Anbieter von Ladetarifen verlangen aktuell Preise zwischen 39 und 49 Cent/kWh an den Ladesäulen des Joint Ventures, also deutlich unter dem Preis direkt von Ionity. Ob sich das allerdings zum 01.02 ändern wird, ist noch unklar. Aber es gibt natürlich auch andere Anbieter von Schnellladesäulen. Zwar ist Ionity in Deutschland aktuell der größte Anbieter (Tesla außen vor gelassen) doch Firmen wie Fastned und Allego sind ebenfalls aktiv beim Aufbau von Ladesäulen. Viele der Säulen der beiden Konkurrenten bieten zwar nur 150/175 kW Ladeleistung, aber bis auf den Porsche Taycan und das Tesla Model 3 kann sowieso kein anderes Elektroauto derart schnell laden. Preislich liegen Fastned und Allego mit 59 Cent/kWh spürbar unter Ionity.

Hindernis für die Elektromobilität

Ärgerlich ist die Undurchsichtigkeit dieser Tarifstrukturen, denn an einer Tankstelle kostet der Liter Kraftstoff für jeden Kunden gleich viel, egal welche Marke er fährt oder mit welcher Kreditkarte er bezahlt. Unterschiedliche Tankstellen haben aber ebenfalls seit jeher abweichende Preise. Es ist also durchaus entscheidend, bei welchem Anbieter man lädt und vor allem welchen Ladetarif man nutzt, wobei es abhängig von Fahrzeug, Ladesäule und Ladekartenanbieter schwierig ist, ein generelles Optimum zu finden.

Sobald neue Informationen zu weiteren Preisänderungen verfügbar sind, fügen wir diese hier hinzu.

Foto: Ionity

Quelle: Ionity

Der VW ID.4 – Elektro-SUV auf MEB Plattform

Der VW ID.4 – Elektro-SUV auf MEB Plattform

Volkswagen gibt einen Ausblick auf das zweite Modell der neuen Elektroplattform: Der VW ID.4
Der große Bruder des ID.3 soll bereits Ende des Jahres verfügbar sein. Allerdings plagen den technisch quasi…

Neuer Renault Twingo Z.E. nimmt VW e-up ins Visier

Neuer Renault Twingo Z.E. nimmt VW e-up ins Visier

Der neue Renault Twingo Z.E. nimmt die den VW e-up ins Visier. Obwohl Renault mit der Zoe einer der Vorreiter der Elektromobilität war, hat es bis jetzt gedauert, um ein weiteres Modell auf den Markt

Lucid Air – Tesla Model S trifft Porsche Panamera

Lucid Air – Tesla Model S trifft Porsche Panamera

Atieva alias Lucid Motors Das kalifornische E-Auto Start-up Lucid Motors gibt es schon seit 2007. Bis Oktober 2016 war es allerdings unter dem Namen Atieva bekannt. Oder genau genommen nicht bekannt…